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Im Norden der Kanareninsel Teneriffa liegt das Orotava-Tal, eine Landschaft von etwa zehn Kilometern Breite und elf Kilometern Länge. Nach Norden hin wird es durch den Atlantik begrenzt, im Westen und Osten durch steil aufsteigende Gebirge. In diesem Tal liegen die Orte La Orotava, Los Realejos und Puerto de la Cruz. Letzeres hat sich vom einstigen bedeutenden Hafen zum Touristenzentrum gewandelt, dessen Hotelburgen ein wenig den Anblick der ansonsten wunderschönen Gegend beeinträchtigen.
Diese Beeinträchtigung hält sich allerdings in Grenzen. Wer von oben auf das Tal und die Küste mit ihrem schwarzen Strand hinabblickt, genießt einen atemberaubenden Anblick und versteht, warum so viele Touristen auch ohne eigene Ferienwohnung Teneriffa treu bleiben und immer wieder hierher kommen. Man steht hier einfach an einem der schönsten Orte Spaniens. Den wenigsten Besuchern wird allerdings klar, dass es noch einen ganz anderen Grund dafür gibt, hier den Atem anzuhalten. Eben der Anblick dieses Tal nämlich warnt vor einer nahezu unvorstellbaren Gefahr, in der sich Millionen von Menschen ständig befinden. Der Schlüssel zum Verständnis dieser Gefahr liegt in der Frage, wie dieses kilometerlange Tal entstanden ist. Die Antwort darauf lautet: Hier ist einfach ein Teil der Vulkaninsel Teneriffa weggebrochen und ins Meer gerutscht. Und es könnte jederzeit wieder passieren.
Ebenso wie Teneriffa bestehen auch die übrigen Kanarischen Inseln aus Vulkanen. Und überall auf der Welt kommt es bei Vulkanen immer wieder zu Trümmerlawinen, wie man das Abrutschen von Teilen des Vulkans nennt. Wenn aber so ein kilometerlanger Teil der Landschaft ins Meer rutscht, wie es bei der Entstehung des Orotava-Tals der Fall war, dann löst das eine gewaltige Flutkatastrophe aus, einen Tsunami. Geologen haben festgestellt, dass eine ähnliche Katastrophe auf Hawaii in vorgeschichtlicher Zeit einmal eine mehr als dreihundert Meter hohe Flutwelle auslöste! Gegen eine solche Flutwelle, die Millionen Menschen am Atlantik das Leben kosten könnte, helfen auch keine Frühwarnsysteme. So ist das Orotava-Tal auf Teneriffa ein Beispiel dafür, dass Schönheit und Schrecken oft nur zwei Seiten einer Medaille sind.
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